Der Anbau von Zwischenfrüchten sollte nicht allein dem Zweck der Subventionsoptimierung dienen, sondern einen Sinn und Zweck für Ackerbau, Boden- und Artenschutz erfüllen.

Ziele des Zwischenfruchtanbaus sind insbesondere

  • Erosionsschutz
  • Förderung und Erhalt der Bodenstruktur
  • Beitrag zum Humusaufbau und zur Verbesserung der CO2-Bilanz
  • Verbesserung der Nährstoffverfügbarkeit
    (Stickstoff, Phosphor-Mobilisierung Nährstoffkonservierung)
  • phytosanitäre Aspekte (Nematodenbekämpfung)
  • Erfüllung der Anforderungen als ökologische Vorrangfläche (Artenschutz, Artenvielfalt)

Meist sollen mit dem Anbau von Zwischenfrüchten mehrere Ziele erreicht werden, die sich auch widersprechen können.

 

Der Erntezeitpunkt der Vorfrucht und die geplante Nachfrucht beeinflussen maßgeblich die Auswahl der Zwischenfruchtart(en). Durch Zwischenfrüchte dürfen keine Schädlinge und Krankheiten vermehrt oder in anderer Weise gefördert werden, die die Nachfrüchte befallen können. Zum Beispiel ist der Anbau von Senf und Phacelia vor Kartoffeln aufgrund der Förderung freilebender Nematoden, die das TRV (Rattle-Virus) übertragen können, zu vermeiden.

Die größten Einschränkungen ergeben sich aus phytosanitärer Sicht durch den Anbau von Kulturen in der Fruchtfolge, die durch dieselben Krankheiten und Schädlinge befallen werden und zu deren Vermehrung beitragen.

 

Steht Raps (mit mehr als 20 % Anteil) in der Fruchtfolge, muss auch vor Rüben auf Ölrettich, Senf und andere Kruziferen verzichtet werden, um der Ausbreitung von Rapskrankheiten wie Kohlhernie, Sklerotinia oder Verticillium keinen Vorschub zu leisten. Aufgrund der Sklerotinia-Anfälligkeit fallen auch Körnerleguminosen und Korbblütler in Rapsfruchtfolgen aus, wenn keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen (z.B. Einsatz von Contans WG) ergriffen werden.

 

Zwischenfrüchte und Wasserhaushalt

Zudem muss der Wasserhaushalt des Standortes und der Wasserbedarf der Folgefrucht berücksichtigt werden. Je 10 cm Aufwuchs verdunstet ein geschlossener Pflanzenbestand zwischen 12 und 15 mm Wasser. Bis zur Blüte eines Ölrettichbestandes mit 80 cm Aufwuchs sind das rund 100 mm, die im Frühjahr fehlen, wenn auf dem Standort nicht wesentlich mehr Regen fällt als der Bestand verdunstet. Das kann man derzeit in den Zuckerrüben- oder Maisbeständen gut beobachten.

Andererseits verhindert der Pflanzenaufwuchs die Evaporation (Wasserabgabe der Bodenoberfläche). In Trockengebieten kann die Evaporation im Winter zwischen 0,1 bis 1 mm pro Tag betragen, diese wird durch den Aufwuchs um 50 % reduziert, also um 30 bis 40 mm im Laufe des Winters. Das wiederum entspricht dem Wasserverbrauch einer Zwischenfrucht mit 30 cm hohem Aufwuchs. Auf Trockenstandorten, auf denen im Herbst und Winter weniger Wasser fällt als der Boden speichern kann, darf deshalb eine Zwischenfrucht nicht höher als 30 cm werden, darf also nicht zu früh gesät werden. Für die Wirkung auf die Bodenstruktur reicht der 30 cm hohe Bestand völlig aus, da das Wurzelwachstum im Herbst dem Sprosswachstum vorauseilt.

 

Wurzelausscheidungen von Zwischenfrüchten

Das Ramtillkraut bewirkt durch seine Wurzelausscheidungen eine starke pH-Absenkung im Wurzelraum und eignet sich deshalb für Standorte mit hohem pH. Der Anbau von Ramtillkraut als Zwischenfrucht ist aber bei von Haus aus schon niedrigen pH-Werten vor Früchten mit hohem pH-Anspruch (Erbsen, Sommergerste) weniger zu empfehlen, auch nicht bei stärkerem Auftreten von kreuzblütigen Unkräutern (Rauken, Hirtentäschel, Hellerkraut, Hederich) in der Zwischenfrucht, die von Kohlhernie befallen werden und diese auch übertragen können. Die Absenkung des pH-Wertes begünstigt die Verbreitung von Kohlhernie.

Zottelwicken dagegen produzieren Cyanamid. Dieses hat wie das Cyanamid als Abbauprodukt des Kalkstickstoffs eine fungistatische und keim- bzw. schlupfhemmende Wirkung, dadurch eine herbizide und insektizide Wirkung. Die herbizide Wirkung zeigt sich, dass um eine Zottelwicke herum keine Unkräuter und Ungräser auflaufen. Zottelwickensamen sind allerdings sehr hart und benötigt viel Wasser zum Keimen. Zudem friert die Zottelwicke, die auch ein Bestandteil des Landsberger Gemenges ist, über Winter nicht ab. Trotzdem könnte sie ein Baustein zur besseren Ackerhygiene sein.

 

Auswirkungen auf den Nährstoffhaushalt

Zudem sollte die Zwischenfrucht dem Wurzel-system und Nährstoffaufnahmevermögen der Nachfrucht Rechnung tragen. Vor Tief-wurzlern, wie Zuckerrüben, ist allerdings der Anbau von ebenfalls tiefwurzelnden Zwischen-früchten zu hinterfragen, weil diese Nährstoffe (vor allem Kalium) aus tieferen Bodenschichten entziehen und sie mit der aufgebauten Pflanzenmasse an der Bodenoberfläche ablegen.

Das wirkt sich umso nachteiliger aus, je extensiver die Einarbeitung der Zwischenfrucht erfolgt (keine Rückverlagerung der Nährstoffe) und je länger der Oberboden im Frühjahr trockenfällt, weil dann die Nährstoffaufnahme im oberen Bodenbereich eingeschränkt ist.

Früchte mit schwachem Wurzelsystem oder geringem Wurzeltiefgang (z.B. Kartoffeln) honorieren dagegen, wenn Nährstoffreserven im Unterboden durch Zwischenfrüchte erschlossen werden. Mais nimmt dabei eine Sonderstellung ein. Aufgrund der geringen Feinwurzelbildung ist dessen P-Aufnahmevermögen begrenzt. Deshalb sind Zwischenfrüchte vorzuziehen, die in der Lage sind, auch festgelegte P-Reserven zu erschließen und für die Nachfrucht nutzbar zu machen (Lupinen, Buchweizen, Leguminosen und in geringerem Maße auch Kreuzblütler).

Leguminosen können auch als Zwischenfrucht gealtertes Phosphat aufschließen, das dann der Folgefrucht zur Verfügung steht, wenn die Pflanzen- und Wurzelreste zersetzt werden.

Soll organische Düngung zur Zwischenfrucht ausgebracht werden, sind Arten mit hohem Nährstoffaneignungsvermögen zu wählen. Dazu zählen neben Kreuzblütlern (Ölrettich, Senf, Kresse) auch Gräser (Deutsches Weidelgras, Welsches Weidelgras). Bei Gräsern ist zu beachten, dass sie Wirtspflanzen für Verzwer-gungsvirosen sind, auch den Drahtwurmbefall fördern. Aus diesem Grund ist auch von der Aussaat von Rauhafer in Zwischenfrucht-mischungen abzuraten.

 

Die Aussaat stickstofffixierender Pflanzen (Leguminosen) ist dagegen bei einem geplanten Wirtschaftsdüngereinsatz nicht unbedingt sinnvoll. Die Ausbildung der Knöllchenbak-terien wird durch hohe Nitratbildung gehemmt, die in den Spätsommermonaten und im Früh-herbst noch zu erwarten ist.

Unter diesen Bedingungen können Legumi-nosen den Vorteil der autarken N-Versorgung nicht ausspielen. Eine Ausnahme bilden Wicken (besonders die schon genannten Zottelwicke/ Winterwicke), die durch das Cyanamid die Nitratbildung im Boden hemmen. Ist der vor-handene Nitrat-Pool im Boden erschöpft, stellen sich die Wicken auf die N-Ernährung durch die Knöllchenbakterien um.

Nicht zuletzt müssen auch Bodenreaktion (pH-Wert) und Saattermin Berücksichtigung finden. Lupinen bevorzugen beispielsweise niedrige pH-Werte, während Ackerbohnen und Erbsen unter neutralen Bedingungen besser gedeihen. Zu späte Saat von Arten mit langsamer Entwicklung (Phacelia, Legumino-sen) muss genauso vermieden werden wie frühe Aussaat schnellwüchsiger Arten (Buchweizen, Senf, Kresse), die dann zum einen mehr Wasser verbrauchen, zum anderen durch vorzeitige Sa-menreife ein enormes Unkrautpotential für Folgefrüchte produzieren.

 

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